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Gepostet by on Nov 2, 2012 in Recht | Keine Kommentare

Die bessere GEMA: Verwertungsgesellschaft C3S

Die bessere GEMA - CS3

Jörg Klemme / pixelio.de

Die GEMA gehört zusammen mit der GEZ mittlerweile zu den absolut unbeliebtesten Dingen, die mit dem Buchstaben G anfangen. GEMA, das ist die Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte. Sie nimmt Urheberrechte von Musikschaffenden wahr und sammelt zu diesem Zweck Geld von den Musiknutzern wie den Radiosendern, Clubs, Restaurants, Geschäften und all denjenigen ein, die Musik in der Öffentlichkeit abspielen.

Rückständige GEMA

Von der GEMA habe ich noch nie allzuviel gehalten. In erster Linie deswegen, weil mir schon seit längerem bekannt ist, dass Vorstände der GEMA normalerweise im Amt sterben, weil sie pro Jahr etwa 400 000 € verdienen, einige meiner Mandanten, die GEMA Mitglieder sind, aber richtig hart ums Überleben kämpfen. Ich habe ja nichts dagegen, dass Topmanager von Konzernen, die mehr Umsatz machen als diverse Bananenrepubliken an Bruttosozialprodukt erwirtschaften, auch irgendwie mehr verdienen als Ottonormalverbraucher. Aber die GEMA ist kein Konzern, sondern ein Verein. Ein Verein!!

Mittlerweile wird die GEMA zu meiner großen Freude auch bei ganz normalen Bürgern immer unbeliebter. Denn die GEMA hat sich bei Ihrer jährlichen “Wir-erhöhen-mal-wieder-einseitig-die-Tarife” richtig verspekuliert. Ist ja klar, dass jemand der 400 000 € im Jahr verdient nicht so ganz verstehen kann, warum sich die ganzen Betreiber von Clubs, Discotheken und anderen Aufführungsorten so aufregen. Das sind ja bloß peanuts, die paar Euros, die die mehr an Gebühren zahlen sollen.

Reformbedarf wird bei der GEMA natürlich keiner gesehen. Die GEMA ist auch weiterhin der Ansicht, dass sich ihr Verwertungsmodell und das alternative Lizenzierungssystem Creative Commons (CC) nicht unter einen Hut bringen lassen. Die GEMA hat natürlich Angst, dass dann die erfolgreiche Künstler ihre bekannten Titel einfach freigeben und die Ladenhüter der Vertretungsgemeinschaften überlassen. Pendants der GEMA in anderen Ländern sind aber nicht so rückwärtsgewandt. In Dänemark, Frankreich und den Niederlanden gibt es Projekte der dortigen Verwertungsgesellschaften, in deren Rahmen Werke für die nicht-kommerzielle Nutzung über CC-Lizenzen freigeben werden können. Die Gegenargumente der GEMA sind deshalb wie man sieht vorgeschoben, es ist durchaus machbar. Aber die Umstrukturierung der GEMA wird kommen. Früher oder später.

Erfolgsmodell C3S ?

Hoffnung am Horizont zeigt sich jedenfalls durch die geplante Gründung der C3S, was für Cultural Commons Collecting Society steht. Die C3S möchte sich als GEMA-Konkurrenzgesellschaft zunächst auf Musik im Internet konzentrieren. Denn im Laufe der Jahre wuchs die Zahl der Künstler, die ihre Werke online der Allgemeinheit zur Verfügung und unter freie Lizenzen wie Creative Commons (CC) stellen wollten. Creative Commons ist gerade für unbekannte Künstler ein smarter Weg, bekannt zu werden. Und so machem fiel dabei auf, dass auch ein kommerzielles Interesse an dieser Musik etwa in Clubs, als Filmmusik oder für Werbung besteht und man damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Dazu müssen allerdings Verträge zwischen Künstler und Unternehmen erstellt werden. Für mich als Medienrechtlerin ziemlich einfach, für Künstler und Unternehmen ziemlich schwierig. Das Verständnis, was man mit CC-Lizenzen machen darf und was nicht, fehlt zudem nicht selten bei Unternehmen. Hier will die C3S als neue Verwertungsgesellschaft ansetzen. Der kommerzielle Nutzer zahlt Lizenzgebühren an die C3S, die sie an das jeweilige Mitglied weitergibt. Die freie Verbreitung der Werke des Künstlers im nichtkommerziellem Rahmen wird im Internet weiter ermöglicht, während die CS3 bei kommerziellen Nutzung die Tantiemen eintreibt. Allerdings mit dem Unterschied zur GEMA, dass an die Mitglieder fast die kompletten Lizenzgebühren ausgeschüttet werden sollen.

Kein riesiger und aufgeblähter Büroapparat wie bei der GEMA soll finanziert werden, sondern mittels technisierter und moderner Arbeitsabläufe sparsam mit den Geldern gehaushaltet werden. Zudem sollen Künstler im Gegensatz zur GEMA nicht mit allen ihren Werken an die Verwertungsgesellschaft gekettet werden, sondern durch werkspezifische Rechteübertragung die Kontrolle behalten können. Sie dürfen also selbst entscheiden, für welche Werke die C3S ihre Rechte vertritt. In der der C3S sollen außerdem alle Mitglieder die gleichen Stimmrechte erhalten. Ein unglaublicher Fortschritt zur GEMA, Demokratie soll es geben!! Und die Gründung der C3S erfordert keine Änderung von Gesetzen, insbesondere nicht des Urheberrechts.

Die C3S will sich noch in diesem Jahr als europäische Genossenschaft (SCE) gründen. Anfang 2013 soll der Zulassungantrag als Verwertungsgesellschaft beim Deutschen Patent- und Markenamt gestellt werden, wobei die Prüfung des Antrages durchaus ein Jahr dauern kann. Bis dahin erklären hoffentlich viele Musiker, beitreten zu wollen, damit die Nachfrage nach einer solchen Verwertungsgesellschaft für das DPMA nachgewiesen werden kann. Es hängt im Endeffekt davon ab, ob Künstler bereit sind, die Creative-Commons-Lizenz zu akzeptieren. Ich würde es der C3S sehr gönnen….

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