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Gepostet by on Feb 21, 2013 in Allgemein, Medien, TV | Keine Kommentare

Erfolgsmodell Fernsehserien – Sozialkritik der 70er bis Scripted Reality 2013

Rappelkiste Erfolgsmodell FernsehserieAls Kind der Siebziger habe ich miterlebt, wie die Fernersehserie als das wohl erfolgreichste Fernsehformat aller Zeiten in den 70er und 80er Jahren zum Zuschauermagneten avancierte und seither in seiner Beliebtheit immer weiter angestiegen ist. Auch wenn die Vorwürfe gegenüber Fernsehserien von trivial, simpel, durchschaubar bis qualitätslos gehen, können wahrscheinlich Deutsche jeden Alters aus dem Stehgreif locker eine Dutzend verschiedene Fernsehserien nennen. Woher kommt das eigentlich, dass die fiktiven Endlosserien durchweg große Erfolge verzeichnen können und was unterscheidet die Fernsehserien meiner Kindheit von den heutigen?

Warum mögen wir Fernsehserien

Für manche Leute ist ihre Lieblingsfernsehserie so wichtig, dass der Tagesrhythmus nach dem Programmablauf gestaltet wird. Eigentlich gar nicht so erstaunlich, denn der Mensch an sich mag Serien jeder Art und nicht nur Fernsehserien, da sie Vertrauen erwecken. Man weiss einfach, was man bekommt. Die Geschichte der Serie als Erzählform ist deshalb viel viel älter als das Fernsehen. Schon die Geschichten von Tausend und einer Nacht sind eine Serie und in Ihnen wird sowohl die Verzögerungs- als auch die Cliffhanger-Technik verwendet. Auch der Vertrieb der Bibel im Mittelalter ist als Serie erfolgt.

Im Grunde genommen ist das Prinzip des Seriellen eines der Grundkonzepte des Fernsehprogramms. Sport-, und Nachrichtenmagazine, Talk-Shows, Quizsendungen wie zum Beispiel die Tagesschau und die Sportschau laufen über Jahre und Jahrzehnte gleichförmig strukturiert zur jeweils identischen Sendezeit. Das tägliche Programm folgt einem strengen, vertrauten, durch und durch seriellen Fluss. Dadurch entsteht der höchste Wiedererkennungswert, den eine Fernsehsendung überhaupt haben kann.

Fernsehserien im Lauf der Zeit

Die Schölermanns - Erfolgsmodell Fernsehserie

Familie Schölermann

Bezüglich der Serieninhalte hat die Fernsehserie die Nachfolge der Trivialliteratur voriger Jahrzehnte und Jahrhunderte angetreten, weswegen viele Muster dieser Trivialliteratur im Fernsehen auftauchen. Was im 19. Jahrhundert beliebt war, mochten auch die Menschen des 20. Jahrhunderts. Der Siegeszug der Fernsehserien beginnt in den USA jedenfalls um einiges früher als in Europa, und zwar direkt zu Beginn des Fernsehens ab 1939.

In Deutschland wurden die ersten Serien in den 50ern gesendet. Hierzu gehörten neben Kriminalserien insbesondere Unsere Nachbarn nebenan – Familie Schölermann, welche das Genre der Familienserie begründet. Die 60er werden dann als das Bonanza-Jahrzehnt bekannt und die 70er als das Jahrzehnt der sozialkritischen Serien wie zum Beispiel Acht Stunden sind kein Tag. Die 80er sind dann das Dallas-Jahrzehnt, wobei in der Geschichte der deutschen Fernsehserie insbesondere das Jahr1985 mit dem Beginn der Lindenstraße und der Schwarzwaldklinik einen Wendepunkt darstellt. Die 90er kann man als das Jahrzehnt der Daily-soaps bezeichen, in dem 1992 mit Gute Zeiten schlechte Zeiten die erste deutsche Daily-Soap startet.

Die erste Dekade des neuen Jahrtausend beschenkt uns schließlich mit der Scripted reality. Die  Entwicklung der Serientrends geht überwiegend

Dallas - Erfolgsmodell Fernsehserie

in Richtung Real Life bzw Doku Soap und weg von der fiktiven Erzählung. Wobei ich persönlich der schlecht bis gar nicht geschauspielerten „Scripted Reality“ eher gar nichts abgewinnen kann und sofort wegschalten muss, schlimmer kann ich mich gar nicht fremdschämen.

Meine Kindheit – politische Fernsehserien der 70er und 80er

Erst jetzt ist mir bewusst, dass in meiner Kindheit Sozialkritik ein großes Thema gerade auch bei Kinderserien war, wobei viele dieser Dinge in der Gesellschaft eigentlich totgeschwiegen wurden. Das Medium Fernsehen war hier also ein innovativer Vorreiter, das eine gesamte Generation im durchaus positiven Sinne prägen konnte und Aufklärung und Bildung vorangetrieben hat. Heutzutage ist unsere Gesellschaft viel aufgeklärter und liberaler, tolle Fernsehserien für Kinder gibt es aber nicht so wirklich. Dies liegt auch daran, dass das Fernsehen  privatisiert und auch im öffentlich-rechtlichen Bereich kommerzialisiert wurde und Kinder als Markt und Zielgruppe wahrgenommen werden. Tja….

Einer der Wegbereiter der sozialkritischen Serie war die Rappelkiste. Daran müsste sich jedes Kind dieser Zeit erinnern: “Ene mene miste, es rappelt in der Kiste, … , ene mene meck, und du bist weg”, so hieß es wöchentlich im Vorspann der Serie, die zwischen 1973 und 1984 produziert und im ZDF ausgestrahlt wurde. Durch die Sendung mit damals stark tabuisierten Themen wie Sexualität, Armut, Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit führten Ratz und Rübe, dazu Oswin und Nickel, Bauklötze und die die Knetfiguren „Die Ompis“. Für das richtige Retro-Feeling empfehle ich die DVDs, im Fernsehen gibt es die Rappelkiste nicht mehr.

Eine weiter sehr beliebte Serie aus Kindertagen ist „Neues aus Uhlenbusch“ mit dem Vorspann „Auweia, auweia, der Hahn legt keine Eier.“ Zwischen 1977 und 1982 wurden 40 Episoden der Kinderserie vom ZDF produziert. Die erste Folge “Bierlisa” handelt von der kleinen Tochter eines biertinkenden Bauers, der in finanzieller Not geraten ist. Lisa wird von den anderen Dorfkindern gehänselt und mit dem Spitznamen Bierlisa bedacht. Also auch hier von Anfang an Sozialkritik, die aber humorvoll eingepackt die Geschichte der Kinder aus dem Dorf Uhlenbusch erzählt. Eine wichtige Hauptfigur ist der Postbote „Onkel Heini“, der bei Problemen tatkräftig unter die Arme greift. „Neues aus Uhlenbusch“ läuft auf Kika und es gibt die Serie natürlich auch komplett auf DVD.

Quellen und Weiterführendes

Günther Giesenfeld (1994): Serialität als Erzählstrategie in der Literatur (In: Endlose Geschichten. Serialität in den Medien)

Helmut Schanze (2003): Fernsehserien als Ritual. Ritualisierung des Fernsehens. (In: Paragrana 12)

Knut Hickethier (1991): Die Fernsehserie und das Serielle des Fernsehens. (In: Kultur – Medien – Kommunikation. Lüneburger Beiträge zur Kulturwissenschaft)

Das hier ist ein Beitrag für die Blogparade “Fernsehen – Früher und Heute” , die Carmen vom Nordfriesen-Tagebuch gestartet hat

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